LM / VerfahrensentscheidPrototyp · Vorserie · Serie
CNC-Bearbeitung oder Kunststoffspritzguss?

Die Stückzahl entscheidet nicht allein.

Der sinnvolle Fertigungsweg entsteht aus fünf gekoppelten Fragen: Wie stabil ist die Geometrie? Welche Funktionen muss das Teil erfüllen? Wie viele Varianten bleiben? Welche Nachweise sind nötig? Und über welchen Lebenszyklus werden die Kosten betrachtet?

Verfahren klären Für eine projektbezogene Bewertung von Zeichnung, Werkstoff, Werkzeugweg und Beschaffung kann BACH INDUSTRY AG einbezogen werden.
CNC-gefräste Kunststoffgehäuse und identische Spritzgussteile im Verfahrensvergleich
Beleg 01 / SystemgrenzeBeim CNC-Teil steckt der Aufwand vor allem in Maschinenzeit und Materialabtrag. Beim Spritzgussteil verschiebt er sich in Werkzeug, Bemusterung und Prozessfreigabe — dafür kann danach jeder Zyklus mehrere gleiche Teile liefern.
Direktantwort

CNC kauft Flexibilität. Spritzguss baut Wiederholung.

CNC-Bearbeitung passt häufig zu frühen Geometrien, kleinen Losen, vielen Änderungen, Halbzeugmaterialien und Merkmalen, die spanend direkt zugänglich sind. Kunststoffspritzguss gewinnt, wenn eine stabile, entformbare Geometrie wiederholt hergestellt werden soll und Werkzeug, Materialfluss sowie Qualität gemeinsam ausgelegt werden können.

Eine niedrige Jahresmenge kann trotzdem für Spritzguss sprechen. Eine hohe Menge kann trotzdem gegen das aktuelle Bauteildesign sprechen.
Entscheidungsmatrix

Fünf Achsen statt einer Grenze.

Die Zeilen liefern keine automatische Wahl. Sie zeigen, wo ein Vorteil belastbar ist und wo zusätzliche Daten fehlen.

01

Änderungsreife

Wie wahrscheinlich sind Geometrie- oder Schnittstellenänderungen?

CNC tendenziell

Änderungen lassen sich oft direkt in Daten und Bearbeitungsfolge übernehmen.

Spritzguss tendenziell

Stabile Geometrie rechtfertigt Werkzeugbindung; Einsätze können definierte Änderungszonen schaffen.

02

Mengenbild

Nicht nur Jahresmenge, sondern Los, Varianten und Laufzeit.

CNC tendenziell

Unregelmässige Abrufe und viele Varianten vermeiden gebundene Werkzeugkosten.

Spritzguss tendenziell

Wiederkehrende Bedarfe verteilen Werkzeug- und Anlaufaufwand über viele Gutteile.

03

Geometrie

Zugang, Wandaufbau, Innenkontur und Funktionsintegration.

CNC tendenziell

Spanend erreichbare Flächen, dicke Querschnitte und kleine Materialblöcke.

Spritzguss tendenziell

Schalen, Rippen, Dome, Clips und mehrere integrierte Funktionen.

04

Werkstoff

Konkrete Type, Richtungseinfluss und Lieferform.

CNC tendenziell

Eigenschaften des extrudierten Halbzeugs und geringe thermische Prozessbelastung.

Spritzguss tendenziell

Grosse Typenvielfalt, Faserorientierung und prozessabhängige Eigenschaften.

05

Nachweis

Toleranz, Oberfläche, Verzug und Rückverfolgbarkeit.

CNC tendenziell

Direkt bearbeitete Bezugsflächen; jedes Teil bindet erneut Maschinenzeit.

Spritzguss tendenziell

Reproduzierbarer Prozess nach Freigabe; Werkzeug und Prozessfenster werden Teil des Nachweises.

Funktionshalter als CNC-Prototyp mit Frässpuren und als spritzgussgerechte Seriengeometrie
Beleg 02 / gleiche FunktionEin Verfahrenswechsel ist selten eine Eins-zu-eins-Kopie. Radien, Rippen, gleichmässige Wände, Entformung und Anschnitt machen aus derselben Funktion eine andere, seriengerechte Geometrie.
Wechselpfad

Beide Verfahren können nacheinander richtig sein.

  1. Funktionsmuster fräsen

    Schnittstellen, Bauraum und Montage schnell mit einem realen Teil prüfen. Abweichende Materialstruktur und Bearbeitungsspuren dokumentieren.

  2. Seriengeometrie entwickeln

    Wände, Radien, Rippen, Formschrägen, Trennebene und Anschnitt für das geplante Spritzgussmaterial auslegen.

  3. Nachweise neu definieren

    CNC-Muster validieren die Funktion, aber nicht automatisch Verzug, Faserorientierung, Oberfläche oder Prozessfähigkeit der Serie.

  4. Werkzeug erst bei geklärter Reife binden

    Offene Änderungen, Mengenvarianten und Prüfmerkmale vor Freigabe sichtbar entscheiden.

Projektbriefing

Was vor dem Vergleich auf den Tisch gehört.

BedarfJahresmenge, Losgrössen, Laufzeit, Varianten und Hochlauf.
ReifeAktueller Datenstand, offene Schnittstellen und erwartete Änderungen.
FunktionLasten, Medien, Temperatur, Lebensdauer, Montage und Sichtflächen.
QualitätBezugsystem, kritische Masse, Prüfmethoden und Akzeptanzkriterien.
KostenbildWerkzeug, Bemusterung, Teile, Nacharbeit, Prüfung, Logistik und Änderungen.